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Schneller in die Luft mit dem „Schweizer Messer“

Ingenieur Klaus Kubatzki und Geschäftsführer Armin Van der Lelij des Entwicklungsbüros Quickloading sind echte Tüftler. Wenn sie ein Problem sehen, dann müssen sie es auch lösen. Eines der Probleme, dem Kubatzki am Flughafen München begegnete, war das mühsame Verstauen der Gepäckstücke im Flieger. Unterschiedliche Größen und Formen sollen möglichst platzsparend untergebracht werden, und dabei muss der Loader auch noch schnell sein, sonst stockt die Arbeit – und im schlimmsten Fall verpasst die Maschine ihren Start-Slot. Die Lösung scheint einfach: noch bevor das eigentliche Laden beginnen kann, wird das Gepäck bereits im Flughafen in Boxen verpackt, die im Flieger auch den letzten Winkel ausfüllen. Die ideale Form für den Flieger, die passenden Dimensionen, damit bestehende Transportsysteme weiter genutzt werden können, flugsichere Haltesysteme und Hilfen für das Handling durch die Loader – all das erforderte eine Menge Gehirnschmalz. Doch der Erfolg gab den beiden Tüftlern Recht, und aus dem Produkt entstand die gleichnamige Firma: Quickloading.
 
Seit 2007 suchen – und finden – die beiden immer mehr Lösungen, die alle in die gleiche Richtung abzielen: Das Abfertigen von Flugzeugen zu erleichtern und zu beschleunigen. Armin Van der Lelij weiß: „Wenn der Flieger am Boden steht, dann kostet das Geld, und zwar richtig viel Geld. Also haben sowohl die Airline als auch der Flughafen ein großes Interesse, dass diese Zeit möglichst kurz ist, um die Kosten zu senken. Ein zweiter Faktor ist zudem die Frage, wie viel Personal mit Abfertigungs- und Wartungsarbeiten gebunden werden.“ Für den Flughafenbetreiber kommt noch ein weiterer Umstand hinzu: Die Starts und Landungen sind nicht gleichmäßig über den Tag verteilt, es gibt Zeitfenster, die stärker beansprucht werden, beispielsweise morgens und abends. Hier ist der Druck auf die Durchsatzzeiten besonders hoch.

Quickloading-Geschäftsführer Armin Van der Lelij mit dem „Schweizer Messer“ der Flugzeug-Schleppstangen, dem Quick Towbar Changer

Quickloading-Geschäftsführer Armin Van der Lelij mit dem „Schweizer Messer“ der Flugzeug-Schleppstangen, dem Quick Towbar Changer

 

Problem

Zeit ist Geld. Somit ist es wichtig, dass Flugzeuge am Boden schnell abgefertigt werden. Die eingesetzten Geräte dafür sind meist im Dauereinsatz und sollen über eine möglichst lange Dauer ohne Wartung funktionieren. Darüber hinaus erreichen die Einsatztemperaturen in Sibirien bis zu 
-55°C.  

Lösung

Mit dem Werkstoff iglidur Z erreicht die Rink GmbH & Co. KG sehr gute Verschleißergebnisse in der Anwendung. Das Material ist sehr temperaturbeständig und bietet zudem eine gute Durckfestigkeit. Der wartungs- und schmierfreie Einsatz sorgt dafür, dass die Standzeit der Fahrzeuge erhöht wurden. Die geringe Feuchtigkeitsaufnahme des Gleitlagerwerkstoffs hilft dabei, dass das Material nicht gefriert und ggf. reißt. 

„Die iglidur Produktpalette war für uns genau das richtige. Leicht, robust, wetterfest und schmiermittelfrei, so unsere wichtigsten Punkte, in der Ausführung iglidur Z bis -100 °C zertifiziert – damit war unsere Suche beendet.“

Armin Van der Lelij, Geschäftsführer des Entwicklungsbüros Quickloading

Vielfältige Projekte: Von Enteiser für Sibirien…

Eines der ersten Projekte nach dem Quickloading-System war ein Flugzeug-Enteiser, der auch die Bugrad-Federung mit einschließt. „Das haben wir für den Einsatz in Krasnojarsk entwickelt, der drittgrößten Stadt in Sibirien“, erläutert Van der Lelij. „Dort herrschen zeitweise -55 °C. Beim Betanken und Beladen senkt sich die Maschine am Bugrad um bis zu 15 cm – das geht aber nur, wenn die Federung nicht vereist. Wenn das doch passiert, muss der Flieger am Boden bleiben.“ Eine Art „Mäntelchen“ für das Bugrad, das mit abgezweigter Luft des Enteisungssystems gespeist wurde, sorgte schnell für Abhilfe. Für die extremen Temperaturen mussten jedoch auch geeignete Materialien eingesetzt werden. So durften beispielsweise die verwendeten Schläuche auch bei größter Kälte nicht brechen.
 
Eine besondere Herausforderung stellten jedoch Kupplungen und Dichtungsringe dar. „Schmiermittel kamen für uns nicht in Frage. Dazu dürfen die verwendeten Materialien kein Wasser aufnehmen, das gefrieren würde“, so Van der Lelij. So stellten die beiden Tüftler eine Reihe von Anforderungen zusammen und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Lieferanten. Fündig wurden sie schließlich bei igus in Köln. „Die iglidur Produktpalette war für uns genau das richtige. Leicht, robust, wetterfest und schmiermittelfrei, so unsere wichtigsten Punkte, in der Ausführung iglidur Z bis -100 °C zertifiziert – damit war unsere Suche beendet.“ Und in Krasnojarsk musste keine MD-11 mehr wegen vereister Bugräder am Boden bleiben.

Das Ver- und Entriegeln der Schlauchkupplungen muss auch bei -55 °C problemlos funktionieren. Schmierfreie iglidur Gleitlager von igus liefern die Basis für einen problemlosen Mechanismus.

Das Ver- und Entriegeln der Schlauchkupplungen muss auch bei -55 °C problemlos funktionieren. Schmierfreie iglidur Gleitlager von igus liefern die Basis für einen problemlosen Mechanismus.

 

…bis Belüftung für Bayern

Das sprach sich in der Branche herum. „Nach unseren ersten Erfolgen hatten wir uns einen Ruf als Problemlöser für den Flughafenbetrieb erarbeitet“, so der Quickloading-Geschäftsführer, „deshalb kamen dann Kunden mit Auftragsentwicklungen auf uns zu.“ So auch zu Weihnachten 2013: Der Flughafen München orderte neue Kupplungen für die Be- und Entlüftungssysteme der Flugzeuginnenräume. Daraus entwickelte sich ein Projekt, das in einem kompletten Pre-Conditioned-Air-Equipment-System endete. Nicht nur die Kupplungen, auch die Schläuche und zuletzt sogar die Transportwagen wurden von Quickloading neu entwickelt. Auch hier konnte man auf die Erfahrungen aus Sibirien zurückgreifen. Schmiermittelfreie Gleitlager an der Fernbedienung der Kupplungen, ebenso an den beweglichen Teilen des PCA-Wagens stammen von igus. Im Flughafeneinsatz müssen diese extremen Bedingungen standhalten: Sie stehen das ganze Jahr im Freien, sind im Winter der Kälte und im Sommer der direkten Sonne ausgesetzt. Beim Enteisen der Tragflächen kommen säurehaltige Mittel zum Einsatz, die auf Schläuche, Kupplungen und Wagen abtropfen. Doch die stecken das locker weg.
 
Und noch einen Vorteil bieten die igus Gleitlager: „Da die beweglichen Teile nicht geschmiert werden müssen, brauchen die Transportwagen auch nicht in die Werkstatt gebracht zu werden. Stattdessen kann die Inspektion vor Ort erfolgen. Und wenn sonst keine Gründe für eine Wartung auftauchen, wird das PCA-System ohne Unterbrechung genutzt – auch das ist für die Flughafenbetreiber ein enormer Kostenvorteil“, betont Van der Lelij. Kupplungen, die leichter und gleichzeitig weniger anfällig für Beschädigungen sind, robustere Schläuche und höhere Dichtheit, die enorme Einsparungen bei der Druckluftversorgung ermöglicht, haben ein Übriges dazu beigetragen, dass die Quickloading-Lösung inzwischen überall am Flughafen München und auch auf anderen Airports zum Einsatz kommt.+
 

Von Projekt zu Projekt

Die selbstentwickelten Schläuche und Kupplungen setzt Quickloading auch bei einem dritten Produkt ein: Dem Fanblade De-Icer (FDI). Das geringere Gewicht gegenüber herkömmlichen Systemen ermöglicht es, dass ein einzelner Mitarbeiter beide Triebwerke eines Flugzeugs mit Konturdüsen versorgt und den Enteisungsprozess weitgehend automatisch ablaufen lässt, so dass er zwischenzeitlich auch andere Maschinen versorgen kann. Bei zuvor eingesetzten Systemen waren zwei Mitarbeiter jeweils bis zum Abschluss der Arbeiten an eine Maschine gebunden. Die EFM (Gesellschaft für Enteisen und Flugzeugschleppen am Flughafen München) hat den Entwicklern dafür ein bemerkenswertes Lob ausgesprochen: Es sei das einzige System, mit dem die EFM diese Aufgabe wirtschaftlich lösen kann, sprich: bei dem die Kosten für den Gesamtaufwand niedriger sind als die eingenommenen Gebühren.
 
Für das Quickloading-Team ist das natürlich ein Ansporn. Und auch das nächste Projekt steht schon in den Startlöchern: Das „Schweizer Messer“ unter den Kupplungsstangen. Werden die Flugzeuge vom Standplatz Richtung Rollfeld geschleppt, muss jeweils die zum Flugzeugtyp passende Kupplungsstange eingesetzt werden, da die Ansatzpunkte nicht standardisiert sind. Oft sind Schlepper nur mit zwei oder drei unterschiedlichen Stangen ausgerüstet und können daher nur bestimmte Flugzeugtypen bedienen oder müssen die passende Stange aus dem Depot holen, was unnötig Zeit kostet. Für Armin Van der Lelij ein Problem der Marke „Kann nicht sein“. Schon 2011 begann er deshalb mit der Arbeit an einer Schleppstange, die zunächst vier, inzwischen sogar sechs verschiedene Kupplungen vereint. Diese sind in einem Magazin so angeordnet, dass innerhalb von 30 Sekunden der Kopfwechsel auf das passende System erfolgen kann. Ein gefedertes und verstellbares Fahrwerk, mit dem der Quick Towbar Changer austariert werden kann, ergonomische Griffe für die Ein-Mann-Bedienung und natürlich auch hier schmiermittelfreie, wetterfeste Gleitlager von igus.
 

Praxisbeispiele überzeugen

Die Quickloading-Entwicklungen bietet Armin Van der Lelij bei Flughafen-Betreibern und -wartungsgesellschaften weltweit an. Von schmiermittelfreien Gleitlagern haben die wenigsten bislang gehört. Doch Zertifizierungen und Mundpropaganda von Lufthansa und Flughafen München sind überzeugende Argumente. Letztendlich werden dann die Produkte in eigenen Tests auf Herz und Nieren geprüft. Beanstandungen gab es dabei bislang nicht.
 
Auch bei Quickloading selbst gab es noch keine nennenswerten Probleme. „Einmal hatten wir den Fall, dass die vorgesehene Komponente nicht den Anforderungen entsprach. Da konnte uns igus helfen, indem wir auf eine andere Serie wechselten, bei der das Material so verändert wurde, dass es für uns passend war“, beschreibt Armin Van der Lelij die bisherige Zusammenarbeit. Ein anderes Mal konnte die Entwicklung nicht mit den mechanischen Anforderungen Schritt halten. Auch hier war ein Materialwechsel angesagt, zudem wurde die Komponente nicht nur mechanisch eingepresst, sondern noch zusätzlich verklebt – danach funktionierte alles wie gewünscht.
 
Bei den bisherigen Entwicklungen kamen bereits zahlreiche igus Produkte zum Einsatz, und das wird auch in Zukunft so bleiben. „Wir verwenden die Werkstoffe iglidur G, iglidur Q, iglidur X und iglidur Z, und diese in allen möglichen Bauformen. Beispielsweise Anlaufscheiben, Kolbenringe sowie Buchsen mit und ohne Bund“, so der Quickloading-Geschäftsführer. „Dabei hilft uns das umfangreiche Sortiment unsere Anforderungen abzudecken, denn die Mechanik lässt uns kaum Spielräume.“ Die Materialvielfalt und die hohe Bandbreite der Produkte seien die wichtigsten Argumente gewesen, sich für igus zu entscheiden. „Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, dass wir diese Komponenten von verschiedenen Lieferanten beziehen müssen“, betont Van der Lelij. Potenziellen Interessenten, die sich selbst vergewissern wollen, ob der Kunststoff hält, was er verspricht, schickt er zum Flughafen München: „Einer unserer Prototypen ist dort seit 2011 ununterbrochen im Einsatz – was soll ich noch mehr dazu sagen?“

Kupplungen und Schläuche für Be- und Entlüftung von Flugzeugen sowie das Enteisen von Triebwerken gehören zum Hauptgeschäft von Quickloading.

Kupplungen und Schläuche für Be- und Entlüftung von Flugzeugen sowie das Enteisen von Triebwerken gehören zum Hauptgeschäft von Quickloading.

 
Der Kopfwechsel ist dank innovativem Mechanismus in 30 Sekunden vollzogen. Dann können bis zu 29 Tonnen gezogen werden.

Der Kopfwechsel ist dank innovativem Mechanismus in 30 Sekunden vollzogen. Dann können bis zu 29 Tonnen gezogen werden.

 
Überall, wo bewegliche Teile jahrein, jahraus den Wetterextremen ausgesetzt sind, verlässt sich Quickloading auf igus Komponenten.

Überall, wo bewegliche Teile jahrein, jahraus den Wetterextremen ausgesetzt sind, verlässt sich Quickloading auf igus Komponenten.

 
Zu den eingesetzten Produkten
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